Simon Kneip

*1986

Text von Dennis Tannhäuser

Mysteriöse, eigentümliche Landschaften und Gebilde. Solche, die sich überlappen, in Beziehung miteinander treten, sich anziehen und abstoßen. Willkürlich anmutende Linien, die dennoch etwas anzudeuten scheinen. Man kann es nicht eindeutig sagen. Eine ganz eigene Welt tut sich auf, wenn man die Arbeiten von Simon Kneip betrachtet. Nie ist man sicher. Nie erfährt der Betrachter eine Bestätigung seiner Sehgewohnheiten. Nie wird einem das Thema eines Bildes sofort ersichtlich.
So begibt man sich auf die Suche nach dem passenden Puzzleteil um zu erfahren, was denn die eigentliche Absicht des Bildes sei. Dies ist ein reizvoller Aspekt in der Arbeit Kneips: Das bewusste Spiel mit dem Ungewissen.
Die Kunst ist Simon Kneip ein Alltagsbegleiter. Sie drückt sich in beiläufigen Skizzen beim Telefonieren mit Freunden aus und erfährt ihre Formgebung dann in Gemälden, Projektionen und Drucken. Seine Liebe zum Zeichnen entdeckte Simon Kneip früh. Meist unverkrampft vor sich hin skizzierend, folgt er dem Reiz künstlerischer Spontanität. Dieses Spiel trägt dazu bei, dass sich der Künstler gerne in neue gestalterische Ausdrucksmittel einarbeitet und sich so selbst immer wieder überrascht.
Bemerkenswert ist auch Kneips Farbpalette. Seine Aufmerksamkeit gilt seit einigen Jahren der Farbe Grau in verschiedenen Abstufungen. Diese Graunuancen hauchen den Bildern ihr ganz eigenes Leben ein. Nach eigener Aussage erfüllen die Möglichkeiten, die im Umgang mit Grau erzielt werden können, derzeit jegliche Bedürfnisse des Künstlers nach Tonalität. Ein interessanter Ansatz, der die Vermutung zulässt, dass Simon Kneip nach künstlerischen Formen der Selbstbegrenzung sucht.
Der Bezug zum Alltäglichen ist Simon Kneip wichtig. Menschen und deren oft rätselhafte Beziehungen zueinander spielen hier eine große Rolle. Sowohl künstlerisch, als auch in seiner beruflichen Tätigkeit als Sozialarbeiter, als auch privat.
Kneip ist ein guter, unaufdringlicher Beobachter. Das kommt seiner Kunst zu Gute, denn sie spiegelt diese Beobachtungen auf eine ganz eigentümliche Art und Weise wieder. Dem Comic ähnlich, gliedern sich Bilder und Eindrücke in traumhaft verwischten Panels aneinander und erzählen oft mehrere Geschichten auf einmal. Ein lebendiger Fundus aus Erinnerungen und Gefühlen wird beinahe therapeutisch geordnet und strukturiert.
Der Kunst von Simon Kneip zu begegnen bedeutet, dem Menschen Simon Kneip zu begegnen und vertiefte Einblicke zu erhalten, wenn man bereit ist, genauer hinzusehen.

simonkneip@web.de